Grafschafter Nachrichten, Ausgabe von Donnerstag, 21.7.2005

Betrifft: Citylauf Norderney 2005

Die Grafschafter erobern Insel Norderney

City-Abendlauf: Susanne Sloot schnellste Frau – Klaus Eckstein auf Rang zwei – Größte Startergruppe

116 Läufer aus der Grafschaft wurden am Sonnabend von mehreren Tausend Zuschauern beim 17. City-Abendlauf enthusiastisch ins Ziel getragen. Die "Grafschaft Runners" stellten somit die größte Startergruppe und nahmen einen großen Pokal mit in die Heimat.

Norderney/lk – Es herrschte einmal mehr Begeisterung pur: Zum 17. Mal ging am vergangenen Sonnabend auf der beliebten Nordseeinsel Norderney der City-Abendlauf über die Bühne. 1.123 Läufer, darunter 116 aus der Grafschaft Bentheim, genossen die enthusiastische Stimmung während der Abenddämmerung. Mit Beginn des Laufes säumten mehrere Tausend Zuschauer die Straßen rund um die Strandpromenade. "Man wurde regelrecht ins Ziel getragen", berichtete Susanne Sloot (LC Nordhorn) von dem Event. Die 36-jährige Nordhornerin befindet sich zur Zeit in einer bestechenden Lauf-Form. Die Distanz über 10 Kilometer spulte sie in 41:54 Minuten als schnellste Frau herunter. Einen weiteren Erfolg aus Grafschafter Sicht feierte Klaus Eckstein. Die Zeit von 32:12 Minuten schlug nur Vorjahressieger Philipp Brouwer (LC Paderborn). Brouwer lief nach zehn Kilometern 24 Sekunden eher ins Ziel ein als Eckstein, der den City-Abendlauf in den Jahren 2002 und 2003 gewann.
Am vergangenen Sonnabend machte sich der Grafschafter Tross mit zwei großen Bussen in den frühen Morgenstunden auf nach Norderney. Zwölf Stunden später gingen die Runners an die beiden Starts der fünf und zehn Kilometer langen Strecken. Somit eroberten die "Grafschaft Runners" nicht nur Norderney, sondern heimsten für die größte Startergruppe einen großen Pokal ein. "Wir können zufrieden auf das tolle Lauf-Abenteuer zurückblicken", sagte Birger Wieking, der neben Eric Mannhoff (Baja Sport Nordhorn) die zweitägige Reise organisierte. Einzig ein technischer Defekt verhinderte einen pünktlichen Start der beiden Lauffelder. Mit 20 Minuten Verspätung nahm der City-Abendlauf aber seinen gewohnten Gang.
Mehr als zufrieden konnte dabei Susanne Sloot sein. Die Sportlerin des LCN feierte beim Volkslauf des TuS Norderney ihre absolute 10-Kilometer-Bestzeit von 41:54 Minuten. "So schnell war ich noch nie", konnte es Sloot selbst kaum fassen. Auf den letzten Metern der langen Zielgeraden nahm sie der Zweitplatzierten Almuth Maaß (LG Ostfriesland) noch 24 Sekunden ab. "Die Anfeuerungsrufe der vielen Zuschauer hatten mich besonders motiviert", so Sloot, die sich gegenüber dem letzten Jahr um mehr als drei Minuten verbessern konnte. Ihr Pendant Klaus Eckstein musste, nachdem er sieben Kilometer mit dem späteren Sieger Philipp Brouwer gleichauf lag, abreißen lassen. "Ich wusste, dass er sich in guter Form befindet. Ich war allerdings schon am Anschlag", berichtete Eckstein.
Auch andere Läufer aus der Grafschaft machten bei trockenem Wetter auf sich aufmerksam. So belegten Iris Beernink (W30/25:41) und Daniela ter Horst (W30/25:42) in ihrer Altersklasse die ersten beiden Plätze über die fünf Kilometer Distanz. Die Leistungen von Anni Vogelsang (2. W35/ 24:40) und Silvia Ottoweß (2. W40/ 25:17) konnten sich ebenso sehen lassen wie die von Angela Speet über zehn Kilometer (2. W45/ 50:09). Bei den Männern sorgte neben Eckstein ein weiterer LCN-Sportler für Furore: Gerold Hartger. Mit einer Zeit von 33:20 landete Hartger unter den besten fünf Startern über die 10-km-Distanz. Der Brandlechter Ingo Beckemper (M35/ 38:27) blieb ebenso unter der magischen 40-Minuten-Grenze und erreichte in der Gesamtliste Platz 46. Die Strecke über fünf Kilometer liefen Birger (18:18) und Gunnar Wieking (18:22) aus Grafschafter Sicht am schnellsten und wurden im Endklassement 14. und 15. von 472 Startern.


Spiridon

Betrifft: Citylauf Norderney 2005

Stimmung wie in Berlin

Von Jörg Valentin

Ein Lauferlebnis, das sich niemand entgehen lassen sollte. Auf der ostfriesischen Nordseeinsel Norderney findet seit nun mehr 17 Jahren ein Lauferlebnis der besonderen Art statt. In dem mondänen niedersächsischen Staatsbad, wo einst Berühmtheiten wie Graf Otto von Bismarck, General Gebhard Lebrecht Fürst von Blücher, der Dichter Heinrich Heine, Wilhelm Humboldt und seine Majestäten König Georg V. und seine Gattin Marie von Hannover um hier nur einige wenige zu nennen schon im 19. Jahrhundert Erholung fanden, da geht seit 1988 an dem jeweils dritten Sonnabend im Juli so richtig auch für Laufsportler die Post. Einst als Volkslauf ins Leben gerufen genießt der Cityabendlauf mittlerweile weit über Norddeutschland hinaus Kultcharakter. Ekstase an der Strecke, Begeisterung wie sie bei großen Marathonläufen nicht besser ist und ein Drumherum, das jeden Zuschauer wie Sportler in seinen Bann zieht. Norderney ist einmalig. Der ausrichtete TuS Norderney mit seinem rührigen 1. Vorsitzenden Manfred Plavenicks an der Spitze und seinen Sekundanten Ernst Onno Onkes und Paul „Pauli“ Rass und einer weiteren tatkräftigen Helferschar, angefangen vom THW bis zum Roten Kreuz. Selbst die Männer der Kurverwaltung schieben wie selbstverständlich beim Cityabendlauf Zusatzschichten. Nicht zu vergessen das Personal der Norden-Frisia, dass die letzten Läufer gegen Mitternacht wieder sicher zum Festland mit der Fähre kutschiert. Der Cityabendlauf ist ein Spektakel auf Norderney. Wer hätte sich träumen lassen, dass der Schirmherr der ersten Laufveranstaltung auf Norderney nach siebzehn Jahren selbst noch das erste Mal mitläuft und sich von der Stimmung einfangen lässt, die dieses Vergnügen verbreitet? Es war der ehemalige Stadtdirektor der Stadt Norderney, Karl Welbers, der die Laufschuhe schnürte und gegenüber den Organisatoren versicherte: „Das ist der reine Wahnsinn, was hier abgeht!" Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hans-Eberhard Urbaniak aus Dortmund, der es sich nach wie vor nicht nehmen lässt, die Läuferinnen und Läufer als Starter auf die Strecke zu schicken: „Mich freut es insbesondere, dass so viele Menschen aus meinem Heimatland Nordrhein-Westfalen dieser tollen Laufveranstaltung auf meiner Lieblingsinsel Norderney ihre Referenz erweisen!".
Es herrschte einmal mehr Enthusiasmus pur. Die Norderneyer Zuschauer darunter viele Urlaubsgäste, die erneut zu mehren Tausenden die Strecke säumten, wurden ihrem Ruf als sehr begeisterungsfähiges Publikum in jeder Phase des Straßenlaufes gerecht. Die Athletinnen und Athleten, aber auch die Breitensportler gaben unter diesen Umständen einmal mehr ihr Bestes. Die Geschichte des 10 Km Hauptlaufs über zwei Runden ist schnell erzählt: Den Krimi entschied nicht überraschend Vorjahressieger Philipp Brouwer, LC Paderborn, in guten 31:48 min erneut für sich. Dabei musste er sich bis Ausgangs des Kurparks bei km 7 stetiger harter Attacken seines stärksten Konkurrenten des 37-jährigen Marathonspezialisten Klaus Eckstein, LC Nordhorn erwehren, der dem hohen Tempo spätestens vor dem Einlauf in die lange Zielgasse durch die Winterstraße Tribut zollen musste. Bei 32:12 min blieben die Stoppuhren für den Grafschafter stehen. Erstklassig auch noch die persönliche Bestleistung des doch überraschenden starken Gesamtdritten, Jörn Schmidt aus Aurich, der als bester Ostfriese für die 10 km respektable 32:44 Minuten benötigte. Als schnellste Frau trug sich die Nordhornerin Susanne Sloot mit einer Zeit von 41:54 min in die Siegerliste ein. Rang zwei belegte Almuth Maaß von der Laufgemeinschaft Ostfriesland (42:18 min), die bis kurz vor dem Ziel noch wie die sichere Siegerin aussah. „Ich bin lange Zeit krank gewesen. Für mich ist jeder Lauf ein neues Erlebnis. Trotzdem schade, dass es nicht geklappt hat. Mit dem Getöse und der phänomenalen Stimmung auf der Zielgeraden habe ich Susanne Sloot einfach nicht kommen hören“, zeigte sich die Auricherin doch anfangs etwas irritiert. Zufrieden mit sich war Männer-Sieger Philipp Brouwer, der im Vorjahr noch mit einer modischen und auffälligen „Kopfball-Decko“ als Frisur für interessierte Blicke gesorgt hatte. „Norderney ist unübertreffbar. Eine solche Stimmung und Begeisterung ist schon mit dem Marathon in Berlin vergleichbar. Klaus Eckstein war ein ebenbürtiger und zäher Gegner“, bilanzierte der für Paderborn die Laufschuhe schnürende Münsterländer. Nur zu Beginn des Rennes tröpfelte es ein wenig, die befürchteten Schauer blieben aus. Die gab es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber ständig auf der Strecke und beim Einlauf in die „engste Zielgasse Deutschlands“, der Winterstraße. Das tolle Norderneyer Publikum erzeugte auch in diesem Jahr die schon berühmte "Gänsehaut-Atmosphäre"
Einziges Ärgernis bei der 17. Auflage. Die in die Startnummer integrierte Chipzeitnahme verweigerte ihre Arbeit. Mit zwanzig Minuten Verspätung wurden aber 5.000 m und 10.000 m Läufe gestartet. Es wurden zwar die korrekten Zeiten erfasst, aber die jeweiligen Startnummern konnten nicht registriert werden. So mussten die einlaufenden Läuferinnen und Läufer schließlich mit der Hand eingegeben werden. Das in siebzehn Jahren kummergewohnte Citylauf-Team des TuS Norderney zeigte sich erneut flexibel. Hier kamen bewährte Kräfte aus den Anfängen des City-Abendlaufes wieder einmal zum Einsatz. Vor allem EDV-Fachkraft Claudia Heise, ins kalte Wasser geworfen, machte da ihre Sache ausgezeichnet.
Insgesamt 1264 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten für den 17. City-Abendlauf des TuS Norderney gemeldet. 473 Läuferinnen und Läufer beendeten schließlich die 5-km-Runde und 650 Läuferinnen und Läufer kamen nach zehn Kilometern ins Ziel. Mehr geht auf der Insel nicht. Schon gut einen Monat vor dem spektakulären Laufevent waren alle Startberechtigungen vergeben. Selbst nicht abgeholte Nummern fanden bei Nachmeldern noch reißenden Absatz. Wer zu spät kam, blieb außen vor. Und davon gab es auf Norderney nicht wenige.